Snowflake Capture ACE

2017
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Serie «Snowflake Capture»
Glasplatte mit Formvar-Replikaten, LED-Panel, Polfilterfolie
30 x 30 cm
 
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Bei der «Snowflake capture» Serie handelt es sich um den ersten Teil des Projekts «From snow crystal casts to computer based modelling» in Zusammenarbeit mit den Naturwissenschaftler Katherine Leonard (École Polytechnique Fédérale de Lausanne, Schweiz), Irina Gorodetskaya (University of Aveiro, Portugal) und Maria Tsukernik (Brown University, USA). Der Focus des Kunstprojektes richtet sich auf die Zusammenarbeit der Künstlerin und den Wissenschaftlerinnen, auf ihre Gemeinsamkeiten in Arbeitsweise, Methode und Werkzeug. Der Start dieser Kollaboration war die erste Schweizer Antarktis Expedition (ACE) 2016/17.

Das Ziel des Kunstprojekts ist die Visualisierung der Funktionsweise von Klimamodellen. Informationen errechnet mit Modellen haben zunehmend Einfluss auf unser Leben (z.B. persönliche und politische Entscheidung). Daher ist es für die Künstlerin von Bedeutung, dass wir die Funktionsweise dieser von Computer generierten Information nachvollziehen, um zu verstehen, wie sie unseren Alltag zunehmend beeinflussen. Die Künstlerin ist der Meinung, dass Wissenschaftler auf diese Weise nicht nur die einflussreichsten Bilder der Gegenwart kreieren, sondern auch unsere Wahrnehmung der Welt gestalten. Daher begleitet sie die Forscherinnen, wie diese ihr Modell zur Errechnung der antarktischen Niederschläge entwickeln, um dieses später in ein großflächiges Klimamodell zu implementieren. Diese «large-scale» Klimamodelle werden vom «Intergovernmental Panel for Climate Change» (IPCC) zur Vorhersage des Klimawandels benutzt.

Das Südpolarmeer verliert zunehmend an Salzgehalt. Das Warum ist eine der zentralen Fragen im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Durch die Erfassung von Schneekristallen hofft das Forscher-Team künftig Niederschlagsmengen genauer errechnen und Klimamodelle verbessern zu können. Für ihre Forschung fertigten die Wissenschaftlerinnen 3D-Abgüsse von Schneekristallen auf Mikroskop-Plättchen mit Formvar. Im Auftrag der Künstlerin bestrichen die Wissenschaftlerinnen mit einem Pinsel die hier gezeigten Gläser von Wechselrahmen mit Formvarlösung, um Schneeflocken darauf einzufangen. Mit der «Snowflake capture» Serie stellt die Künstlerin folgende Fragen an den Betrachter: Wenn ein Wissenschaftler Bilder oder Objekte erzeugt, handelt es sich dabei auch um einen schöpferischen Akt, wie bei einem Künstler? Wenn die Wissenschaftlerin die Schneeflocken auf einer größeren Glasfläche einfängt, gestaltet sie dann das Bild? Ist Wissen schaffen ein schöpferischer Akt? Eine weitere Frage ist eine historische: die Frage nach der traditionellen Bedeutung des Künstlers auf einer Expedition. Auf der ersten Schweizer Expedition in die Antarktis war keine KünstlerIn an Bord. Welche Bedeutung könnte eine KünstlerIn auf einer Expedition heute noch haben? Oder machen heutige Methoden der Wissenschaft die Teilnahme einer KünstlerIn an einer Expedition obsolet?